• Interview mit reisebunt.com (SIA-Finalist 2018)

    Jeder reist gerne, doch leider lässt sich ein nachhaltiger Lebensstil nicht mit umweltschädlichen Flügen vereinbaren. Dem Team von reisebunt.com kam da eine kompensierende Idee! Reisebunt agiert als Publisher für Reiseveranstalter und bekommt pro getätigter Buchung eine Kommission wodurch Bäume gepflanzt werden. Gut für die Umwelt und das schlechte Gewissen!

    Wir sprachen mit dem Gründer von Reisebunt, Philipp Lederle, über das Thema Reisen, CO2-Kompensation und die Herausforderungen beim Gründen.

     

    Elisa von This Sustainable Life: Wie würdest du Reisebunt in einem Satz beschreiben?

    Philipp von Reisebunt: Wir reduzieren den CO2-Ausstoß deiner Reisen, die du (bei uns) buchst, durch das (kostenlose) Pflanzen von Bäumen und auf längere Sicht werden wir zu 100% kompensieren.

    Elisa: Wie genau wollt ihr eine hundertprozentige Kompensation erreichen?

    Philipp: Wir arbeiten mit der BOKU zusammen, die uns Daten zur Verfügung stellt wieviel CO2 z.B. durch einen Flug emittiert wird. Das ist gar nicht so leicht, da der CO2-Ausstoß u.a. vom Flugzeugtyp, der Strecke, dem Flughafen usw. abhängt. Gemeinsam mit einem Partner pflanzen wir dann schlussendlich die Bäume in Äthiopien.

    Elisa: Und welche Reisen werden kompensiert bzw. stellt ihr diese Reisen selbst zusammen?

    Philipp: Die Reisen die auf reisebunt.com online sind suchen wir mit unserer Expertise aus den Tiefen des Netzes, um so die Creme de la Creme der besten Reiseangebote anbieten zu können. Für alle Reisen die auf Reisebunt gebucht werden bekommen wir anschließend Provisionen von den jeweiligen Reiseveranstaltern. Der Großteil dieser Einnahmen wird dann für den ökologischen Zweck, also das Bäume pflanzen, eingesetzt.

    Elisa: Zahlt der Konsument für die CO2-Kompensation bzw. sind die Reisen bei euch dann teurer als z.B. auf der Hofer Webseite?

    Philipp: Nein, es entstehen keine Extrakosten für den Konsumenten, das macht Reisebunt auch so einzigartig. Damit wollen wir genau das Problem beheben, dass man zwar bei der Buchung von Flugreisen oft die CO2-Kompensation auswählen kann, aber aufgrund der Mehrkosten es nur sehr wenige Leute tun. Unsere Herangehensweise kommt am Markt sehr gut an. Seit der Gründung freuen wir uns über einen signifikanten Anstieg der Buchungszahlen.

    Elisa: Das klingt wirklich gut! Wie genau seid ihr auf die Idee gekommen?

    Philipp: Da ich ein Vielreisender bin, ist mir die Idee letztes Jahr in Südafrika gekommen. Ich hatte mir leider den Fuß gebrochen und war im Flugzeug zurück nach Österreich. Da ich aufgrund der Schmerzen nicht schlafen konnte, hatte ich viel Zeit während des zwölfstündigen Fluges nachzudenken. Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich, obwohl ich versuche nachhaltig zu leben, trotzdem in diesem Jahr bereits 15 Mal geflogen war. Zuhause wieder angekommen wurde an den unterschiedlichsten Ideen gearbeitet und schlussendlich reisebunt.com geboren.

    Elisa: Wie viele CO2-Emissionen verursacht denn eine Reise oder ein Flug?

    Philipp: Weltweit ist laut einer Studie der Tourismus für acht Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Ein Flug von Wien nach Berlin (hin & retour) hat einen CO2-Ausstoß von durchschnittlich 260 kg CO2 Ausstoß. Um dieses CO2 zu kompensieren muss ein Baum gepflanzt werden. Ein Langstreckenflug von beispielsweise Wien nach Bangkok verursacht sogar durchschnittlich 4.547 kg CO2-Emissionen. Hierfür bräuchten wir also 9,5 Bäume und runden auf 10 Bäume auf, um den CO2-Ausstoß zu kompensieren.

    Elisa: Wie hat sich euer Team zusammengefunden?

    Philipp: Wir haben zu zweit gestartet und werden ab Oktober das Team auf vier Personen erweitern um vor allem die technische Umsetzung voranzutreiben. Zusammengefunden haben wir uns eigentlich über Events wie z.B. beim Impact Hub Winedown oder bei Veranstaltungen von der Jungen Wirtschaft Wien. Auch über gemeinsame Freunde und durch das zufällige Reden mit Leuten auf den Veranstaltungen haben sich Synergien ergeben. Ich glaube auch an das Gesetz der Anziehung, denn es war erstaunlich leicht ein so tolles Team zu finden.

    Elisa: Warum hattet ihr das Gefühl das Projekt jetzt umsetzen zu müssen und für wen setzt ihr es um?

    Philipp: Wir wollen mehr Menschen anregen über ihren persönlichen CO2-Ausstoß nachzudenken und dann ohne Mehraufwand ihren Urlaub zu kompensieren.

    Elisa: Ist CO2-Kompensation nicht nur ein einfacher Weg das schlechte Gewissen zu bereinigen oder kann es wirklich etwas bewegen?

    Philipp: Ich bin überzeugt davon, dass es etwas bewegen kann, aber nur wenn man es sich bewusst macht und versucht in allen Lebensbereichen anzuwenden. Zum Beispiel indem man energiesparend lebt, Müll vermeidet und nachhaltig einkauft. Das finde ich auch beim Reisen so schön, denn wenn man Reisen anbietet weckt man auch Emotionen und mit Emotionen kann man die Leute für eine Sache gewinnen. Deswegen kann Reisebunt gut die Menschen überzeugen, dass es noch weitere nachhaltigere Alternativen gibt, die man im Leben ausprobieren kann. Die CO2-Kompensation ist dabei ein guter Weg um nicht auf das Reisen verzichten zu müssen, denn das wäre sehr schade. Reisen ist gerade in unserer heutigen Gesellschaft sehr wichtig, da man dadurch neue Kulturen kennenlernt, weltoffener wird und ganz anders denkt wenn man die große Welt sieht. Wir wollen eine Lösung anbieten, damit die Leute trotzdem die Welt sehen können.

    Elisa: Was ist eure größte Schwierigkeit bei der Entwicklung eures Projektes? Welche persönlichen Eigenschaften helfen euch dabei?

    Philipp: Ich sage lieber Challenge statt Schwierigkeit. Meine größte Herausforderung war den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und herauszufinden wie man startet, was man wann macht usw. Eine Herausforderung dabei war gute Geschäftspartner zu finden (sowohl national als auch international), da es recht schwierig ist wenn man noch klein und unbekannt ist. Es hat aber geholfen, dass ich bereits sechs Jahre im Tourismusbereich gearbeitet habe (u.a. bei der Niederösterreich Werbung und Travelbird) wo ich ein gutes Netzwerk aufbauen konnte.

    Elisa: Seht ihr euch auch in der Verantwortung den Tourismussektor nachhaltiger zu machen?

    Philipp: In der Zukunft wollen wir direkt mit den Hotels kommunizieren und mehr Bewusstsein schaffen. Es gibt hier schon viele gute Beispiele wie das Magdas oder das Boutiquehotel Stadthalle. Wir haben zwar schon mit ein paar Reiseanbietern diesbezüglich gesprochen, werden aber in dieser Phase noch nicht aktiv mit Hotels sprechen, sondern erstmal die Idee stärken und die Plattform zum Wachsen bringen. Ab Herbst 2019 möchten wir jedoch mehr Bewusstsein bei den Hotels schaffen, indem wir auf unserer Plattform auch einfache Maßnahmen aufzeigen, die Hotels umsetzen können um nachhaltiger zu werden. Das Boutiquehotel Stadthalle hat z.B. das Dach begrünt und die Wände mit Efeu bewachsen lassen, wodurch eine natürliche Kühlung im Sommer möglich ist. Dadurch braucht das Hotel keine Klimaanlage und weniger Strom, was wiederum weniger kostet und gut für die Umwelt ist. Ein weiterer Grund warum wir erstmal unsere Plattform aufbauen wollen ist, dass wir dann den Hoteleigentümern zeigen können wie viele Menschen sich für nachhaltiges Leben interessieren und sie durch diesen Anreiz dazu bringen Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen.

     

    Mehr Informationen rund um reisebunt.com findet ihr auf ihrer Homepage, Facebookseite, sowie auf Instagram.

    Die Interviews mit allen 10 Finalisten werden auf der Website des Social Impact Awards, der Facebookseite des Social Impact Awards, sowie auf dem Blog “This Sustainable Life” von Elisa Gramlich veröffentlicht. Die Interviews dienen dem Community-Voting, für welches man auf der Website des Social Impact Awards bis 25. September 2018 abstimmen kann.